Vor 30 Jahren trat das Arbeitsschutzgesetz in Kraft. Es war das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe von Gewerkschaften, Betriebsräten und Beschäftigten für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Heute steht dieses Gesetz mehr denn je im Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Unter dem Titel „30 Jahre Arbeitsschutzgesetz. Aktualität und Geschichte des Gesundheitsschutzes – Grundlagen verstehen, Rechte verteidigen, Zukunft sichern“ diskutiert die IG Metall Mannheim auf ihrer Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzkonferenz die Geschichte, die Erfolge und die Herausforderungen des betrieblichen Gesundheitsschutzes.
Die Konferenz beginnt mit einem historischen Überblick über die Entwicklung des Arbeitsschutzes. Von den ersten gesetzlichen Schutzregelungen im 19. Jahrhundert bis zum Arbeitsschutzgesetz von 1996 wird deutlich: Fortschritte beim Gesundheits- und Arbeitsschutz waren immer das Ergebnis von gewerkschaftlichem Druck und solidarischem Handeln der Beschäftigten.
In ihrem Redebeitrag ordnet Nadine Ofenloch die aktuellen Herausforderungen aus gewerkschaftlicher Sicht ein. Im Mittelpunkt stehen die zunehmenden Angriffe auf Arbeitnehmer*innenrechte, die Bedeutung erfolgreicher Tarifbewegungen und die Rolle der Mitbestimmung als unverzichtbares Instrument zur Durchsetzung gesunder Arbeitsbedingungen.
„Gute Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel. Sie wurden erkämpft und müssen jeden Tag aufs Neue verteidigt werden“, betont Nadine Ofenloch von der IG Metall Mannheim. „Wer den Beschäftigten Mitbestimmung und dadurch Gesetze und Tarifverträge nimmt, gefährdet auch ihre Gesundheit. Wo Mitbestimmung geschwächt wird, geraten Arbeits- und Gesundheitsschutz unter Druck. Deshalb ist der Kampf um gute Arbeit immer auch ein Kampf um Demokratie im Betrieb.“
Einen Schwerpunkt bildet die Betrachtung der betrieblichen Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes am Beispiel von Alstom Mannheim. Wolfgang Alles zeigt auf, wie das Gesetz dort genutzt wurde, um verbindliche Regelungen zum Schutz der Beschäftigten durchzusetzen. Die Betriebsvereinbarungen und Einigungsstellensprüche wurden weit über die Region hinaus zu Vorbildern für andere Betriebe.
Die Lehre aus den Erfolgen der Vergangenheit sei eindeutig: Gesundheitsschutz funktioniert nur dort, wo Beschäftigte mitreden, Betriebsräte handeln können und Gewerkschaften stark sind.
Mit dem Beitrag „Offensive Gesundheit: Gute Arbeit sichern, Gesundheit stärken, soziale Errungenschaften verteidigen“ macht Moriz-Boje Tiedemann vom Vorstand der IG Metall deutlich, dass Gesundheitsschutz keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsfrage ist. Er stellt praktische Werkzeuge zur direkten Umsetzung im Betrieb vor. „Wir müssen nachhaltig daran arbeiten, Arbeit auch in Zukunft menschengerecht zu gestalten, anstatt zuzulassen, dass Belastungen immer weiter zu erhöht werden!“
Einen wissenschaftlichen Blick auf die aktuellen Entwicklungen wirft die Soziologin Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja. Sie beleuchtet die Herausforderungen für den Gesundheitsschutz angesichts gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche und macht deutlich, dass neue Arbeitsformen, Digitalisierung und Transformation nur dann erfolgreich gestaltet werden können, wenn die Interessen und die Gesundheit der Beschäftigten im Mittelpunkt stehen.
Für die IG Metall Mannheim ist klar: Gesetze allein schaffen noch keine gesunden Arbeitsplätze. Sie müssen durch engagierte Betriebsräte, aktive Beschäftigte und starke Gewerkschaften durchgesetzt werden.
30 Jahre Arbeitsschutzgesetz sind kein Grund, sich zurückzulehnen. Sie sind ein Auftrag zum Handeln. Wer die Zukunft der Arbeit gestalten will, muss die Gesundheit der Beschäftigten schützen, soziale Errungenschaften verteidigen und Mitbestimmung stärken. Dafür steht die IG Metall – gestern, heute und morgen.
Die Fotos werden hier in Kürze eingestellt!